Sonderkonzert im Rahmen der 10. Münchener Biennale

Münchner Philharmoniker


Kurzinformationen:

Münchner Philharmoniker 
Dirigent: Peter Hirsch 
Klavier: Yukiko Sugawara, Róbert Regös, Tomoko Hemmi
Sprecher: Jochen Strodthoff

Zur Besetzung

Veranstaltungsort:

Uraufführung:

Gasteig/Philharmonie


Sonderkonzert im Rahmen der 10. Münchener Biennale

Sonderkonzert im Rahmen der 10. Münchener Biennale

Münchner Philharmoniker

Luigi Nono (1924–1990) Composizione per orchestra Nr. 1 (1951)

Nicolaus A. Huber (*1939) En face d’en face (1994)

Luigi Nono (1924–1990) Fučik, Teil I (1950/51)
Herausgeber: Peter Hirsch
Uraufführung

Helmut Lachenmann (*1935) Klangschatten – mein Saitenspiel (1972)

für 48 Streicher und 3 Klaviere1950/51 arbeitete Luigi Nono an einem großen Projekt, Titel: Fučik. Julius Fučik, Schriftsteller, war ein prominentes Mitglied des tschechischen Widerstandes, Kommunist. In der nationalsozialistischen Haft schrieb er das Buch, das in den fünfziger Jahren nicht nur in der Tschechoslowakei zur antifaschistischen Pflichtlektüre werden sollte: die Reportage unter dem Strang geschrieben, Gefängnisprotokolle, Dokumente des Widerstands in politischer und in poetischer Hinsicht. Aus diesem Band nahm Luigi Nono die Texte für seine Komposition. Er vollendete das Werk nicht. Doch den ersten von zwei Teilen stellte er weitgehend fertig. Peter Hirsch, der mehrere Werke Nonos dirigiert und für CD aufgenommen hatte, stieß in der Literatur immer wieder auf knappe Erwähnungen dieses Werkes. Er wollte Genaueres wissen und setzte sich mit dem Nono-Archiv in Venedig in Verbindung, konnte die Materialien einsehen und entdeckte dabei, dass der erste Teil praktisch aufführungsreif ausgearbeitet war. Redaktionelle, editorische Arbeiten waren nötig, da zwei Partituren vorliegen, die nicht in allen Details übereinstimmen. Es handelt sich um eine groß angelegte symphonische Komposition, in welche die Texte aus Fučiks Reportagen eingesprochen werden, um Musik, die sich der Erfahrungen der Reihenkomposition, aber keiner strengen Zwölftontechnik bedient, Musik vor allem, die ihren Kunstanspruch kompromisslos wahrt. Er birgt das Potenzial des Widerstandes, aus dessen Geist Fučiks Dichtungen geschrieben wurden.

Nuria Schönberg Nono ermöglichte Peter Hirsch, diesen ersten Teil herauszugeben und im Rahmen der Münchener Biennale – passend zu ihrem Motto – die Uraufführung des 55 Jahre alten Werkes zu dirigieren.

Der junge Nono wird in seinem musikalischen Denken von zwei Seiten her porträtiert, und er wird mit zwei Komponisten zusammengebracht, die seiner Geisteshaltung nahe stehen. Helmut Lachenmann war von 1958 bis 1960 Nonos Schüler, gab später dessen Schriften heraus. Klangschatten - mein Saitenspiel „gehört zu einer Reihe von Werken, deren Klangvorstellungen sich orientieren an der Dialektik von ‚Verweigerung’ und ‚Angebot’: Indem die gewohnte Klangpraxis ausgesperrt wird, wird bisher Unterdrücktes offengelegt. Die Klanglandschaft zeigt quasi die Rückseite der gesellschaftsüblichen philharmonischen Muster. … Der musikalische Text wurde so lapidar formuliert, dass er – eine Art durchsichtiger Fassade – das Hören zwingt, hinter die Klänge zu lauschen, den Vorgang jener Verweigerung zu begreifen; nämlich als Angebot expressiver Intensität, welche die bürgerliche Sehnsucht nach Schönheit reflektiert und diese erfüllen, das heißt: überwinden möchte.“

Der Titel En face d’en face geht, so Nicolaus A. Huber, „auf ein Darstellungsprinzip der alten ägyptischen Malerei und Reliefkunst zurück. Die Verknüpfung der einzelnen Teile mutet durch die Technik der Versetzung dem Betrachter ein komplexeres Sehen zu. Die simultane Profil- und Frontalansicht erlaubt eine höhere Vollständigkeit, die sich nicht an die Zeitgrenzen der einmaligen Blickerfassung hält.

Ein Gesicht im Gesicht als Gesicht ist eine wunderbare Vorstellung. In der Musik wäre das nächstliegende Mittel der Wiederholung als Wiedererkennbares jedoch zu primitiv und kurz gedacht. Die Technik, mit der in meinem Stück musikalische und orchestrale Komplexität organisiert ist, ist wohl am besten mit dem Begriff der "Mehrfachdarstellung" eines Gedankens/Gedankengangs zu beschreiben. Dieses Prinzip ist ineinandergeschoben, verwoben, getrennt, zeitlich ge- oder verstreut, in verschiedenen Graden der Annäherung und Entfernung usw. leicht vorstellbar … Sonst Zusammenhängendes steht sich nur noch gegenüber. Derartige Fremdheit bedingt: Das Gegenüberstehende sieht sich gegenüber dem Gegenüberstehenden“.

„Das Ohr aufwecken“ formulierte der späte Nono als Devise einer „Ästhetik des Widerstands“. Sie kann auch über den Werken von Huber und Lachenmann stehen: als Appell an die Wachheit von Sinnen und Verstand. 

Informationen

Besetzung & Credits

Besetzung


Münchner Philharmoniker 
Dirigent: Peter Hirsch 
Klavier: Yukiko Sugawara, Róbert Regös, Tomoko Hemmi
Sprecher: Jochen Strodthoff

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