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Hauptwerke

Biennale 2012

Editorial

Biennale 2012

Der Ferne Klang

Der Titel birgt Geschichte. 1912 wurde in Frankfurt am Main Franz Schrekers Oper Der ferne Klanguraufgeführt. Sie steht mit anderen Werken paradigmatisch für den Aufbruch des modernen Musiktheaters. Der Titel nennt die Sehnsucht des Künstlers, sein unbekanntes, dennoch magnetisch anziehendes Ziel. Die Oper selbst umschreibt zugleich die Geschichte eines Verlusts; ihr Protagonist kann die Liebe, die er verließ, am Ende nicht wieder gewinnen.

In den Opern von Sarah Nemtsov, Eunyoung Kim und Arnulf Herrmann wirkt neben der Geschichte des Verlusts zugleich der Wunsch, ihn zu überwinden. Der Handlung, dem Platzhalter der Wirklichkeit in der Oper, gelingt die versuchte Überschreitung nicht. In der Musik aber nähren Prozesse des Suchens und Verwandelns die Vision von einer Umkehrung des Scheiterns. Solange sie andauern, ist der Verlust nicht besiegelt. Alle drei Komponist(inn)en betonen, wie wichtig es ihnen im kreativen Prozess war, den spezifischen Klang für ihr Musiktheater und dessen Szenen zu finden. Sie entwickelten ihn aus Grundkräften des Inhalts, nicht aus vordergründig assoziativen Elementen.

Wir können auch in diesem Jahr die Uraufführungen durch ein differenziertes Beiprogramm ergänzen. Zur Tradition der Biennale gehören die Konzerte der Münchner Philharmoniker, des Münchener Kammerorchesters und der musica viva ebenso wie ein musiktheatralisches Gemeinschaftsprojekt, das in diesem Jahr an der Berliner Universität der Künste erarbeitet wird. In der Reihe Biennale Special stellen Münchner Künstler und Künstlergruppen Konzepte und Realisationen neuen Musiktheaters vor.

Pädagogische Projekte beteiligen Schulen an der Erarbeitung neuer Stücke, die Biennale Werkstatt der Münchner Volkshochschule vermittelt Einblicke in die Entstehung einer Oper. Die Reihe Nucleus präsentiert musiktheatralische Konzeptionskerne einzeln und als Gesamtkonstellation. Zur vielfältigen Erfahrung und Reflexion heutigen Musiktheaters tragen schließlich ein Symposium und eine Podiumsdiskussion bei.

Für die Ermöglichung dieses reichhaltigen Programms danken wir vor allem der Landeshauptstadt München, aber auch allen Kooperationspartnern und Unterstützern der Münchener Biennale.

Peter Ruzicka

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