Hauptwerke

Biennale 2008

Biennale Plus

Ein Konzertwochenende zur Münchener Biennale 2008

Biennale Plus

Sie haben Zeichen und Maßstäbe gesetzt, die fünf Ensembles, die das Konzertwochenende der Münchener Biennale gestalten. Aus der Vermittlung der Gegenwartsmusik sind sie nicht wegzudenken: das Ensemble Modern, das sich 1980 in Frankfurt am Main gründete, das Münchener Kammerorchester, das schon über fünfzig Jahre besteht, aber seit den Neunzigerjahren einen gewichtigen Schwerpunkt auf Neue Musik legt, das Österreichische Ensemble für Neue Musik, das sich in Österreich das Engagement für zeitgenössische und avancierte Tonkunst freundschaftlich mit dem Klangforum Wien teilt, und last, but not least, das Ensemble intercontemporain, in seiner engen Bindung an das IRCAM (Institute de Recherche et de Coordination Acoustique-Musique) ein Pionierensemble seiner Art, insbesondere was die Weite seiner Möglichkeit einschließlich der Elektronik betrifft. 
Sie stellen neue Kompositionen vor, darunter sechs Auftragswerke für die diesjährige Jubiläums-Biennale. Ein großer Teil der vertretenen Komponisten begann den Weg zum Musiktheater und in die internationale Aufmerksamkeit bei der Münchener Biennale, drei von ihnen sind beim diesjährigen Festival auch mit Musiktheaterproduktionen vertreten. Die Konzertreihe eröffnet ein Panorama dessen, was die Münchener Biennale in den zwanzig Jahren ihres Bestehens in das internationale Musik(theater)leben eingab. Sie vermittelt zugleich in konzentrierter Form und in gewichtigen Stichworten einen Einblick in das, was eine Zweite Moderne in der Musik heißen könnte, offener, aber nicht weniger verbindlich als die Erste. 
Diese „Passagen durch die Moderne“ wurden möglich durch die Förderung der Ernst von Siemens Musikstiftung, der an dieser Stelle herzlich gedankt sei. 

Editorial

Biennale 2008

Fremde Nähe

Im Mai 1988 eröffnete Hans Werner Henze die erste Münchener Biennale. In zwei Jahrzehnten hat sich das Festival für neues Musiktheater international etabliert und durch Kooperationen auch die Nachhaltigkeit seiner Ausstrahlung wesentlich stärken können. Die Münchener Biennale war und ist ein Ort des Experiments und des lebendigen Diskurses. 75 Werken des Musiktheaters verhalf sie zur Entstehung und Uraufführung. Eine stolze Zahl von ihnen fand danach den Weg in die Opernhäuser Europas, Asiens und Amerikas. Die Komponisten kamen aus ganz Europa, aus Israel, Japan, China, Indien, den USA. Schwerpunkte und Konzeption des Festivals wandelten sich entsprechend den veränderten Anforderungen, Möglichkeiten und Perspektiven.
Fremde Nähe – das Motto der 11. Münchener Biennale verweist auf ein Paradoxon modernen Lebens. Was ist in der Ära der Globalisierung, der unbegrenzten virtuellen und realen Mobilität nahe, was fern, was fremd, was vertraut? Robinson wird in der Deutung durch Enno Poppe und Marcel Beyer zum Inbegriff moderner Irritation: Der Gesellschaft entrissen, aus der er stammt, will er nicht mehr zurück. Die bestandene Fremde gibt zuverlässigere Nähe als der unhinterfragte Konsens. Carola Bauckholt leuchtet in unsere nächste Nähe, in die Welt der Geräusche und verwandelt sie in eine Fremde, die neue Orientierung verlangt. Fremde Nähebedeutet im Umkehrschluss, dass uns die Beschäftigung mit dem Fernen näher an uns selbst bringen kann als das, was uns seit eh und je, teils selbstverständlich, teils aggressiv umgibt. Klaus Langs Projekt architektur des regens deutet darauf hin, auch die Individualisierung durch Nähe, die im musikalischen-szenischen Konzept von Jens Joneleits Oper Piero – Ende der Nacht angelegt ist.

Neu in der 11. Münchener Biennale ist eine von der Ernst von Siemens Musikstiftung unterstützte Konzertreihe, mit der die bewährte Zusammenarbeit mit den Münchner Philharmonikern und dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks ergänzt und erweitert wird. Führende internationale Ensembles der Neuen Musik schaffen Gelegenheit, neue Formen und Inhalte von Musik und Musiktheater in diskursiver Nähe zu erleben. Uraufführungen neuer Auftragswerke von Helmut Lachenmann, Brian Ferneyhough, Claus-Steffen Mahnkopf, Sebastian Claren, Márton Illés und Marco Stroppa tragen zur Erweiterung des programmlichen Spektrums bei.

Peter Ruzicka

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