Münchner Philharmoniker

Sonderkonzert zur Münchener Biennale 2012


Kurzinformationen:

Musik: Xiaoyong Chen, Jia Guoping
Dirigent: Long Yu
Solisten: Solisten:
Michaela Kaune, Sopran
Thomas E. Bauer, Bariton

Zur Besetzung

Veranstaltungsort:

Uraufführung:

Gasteig/Philharmonie


Münchner Philharmoniker

Münchner Philharmoniker

Sonderkonzert zur Münchener Biennale 2012
Im Rahmen des Kulturjahres Chinas in Deutschland

XIAOYONG CHEN (* 1955): Kaleidoskop der Zeiten (2012)
Uraufführung
Auftragswerk der Landeshauptstadt München zur Münchener
Biennale finanziert von der Ernst von Siemens Musikstiftung

JIA GUOPING (* 1963): Kalaviuka (2012)
Uraufführung
Auftragswerk der Landeshauptstadt München zur Münchener
Biennale finanziert von der Ernst von Siemens Musikstiftung

XIAOGANG YE (* 1955): The Song of the Earth (2004)
für Sopran, Bariton und Orchester, op. 47
Gedichte von Li Bai, Meng Hao Ra, Qian Qi und Wu Wei

Das Lied von Himmel und Erde 

Franz Schrekers Ferner Klang und Gustav Mahlers Lied von der Erde sind historische und geistige Nachbarn. Das eine Werk – Mahlers Gesangssymphonie – wurde im November 1911, das andere – Schrekers Oper – im August 1912 erstmals aufgeführt. In beiden drückt sich die Sehnsucht aus, das zu umsingen, von dem noch keiner weiß, das wohl in der Zukunft liegt, aber in der Geschichte schon konfiguriert ist. Sie war, sie ist eine Triebfeder der Moderne. Mahler beschwor die Ferne in seinen Klangbildern, im Lied von der Erde aber auch durch die Textwahl. Er komponierte chinesische Poesie, die durch mehrere Stadien europäischer Adaption gegangen war. Ein Fantasiechina wird da beschworen, doch die Dichtung aus dem Fernen Osten beeinflusste den Tonfall von Mahlers Musik ganz wesentlich. 

Der chinesische Komponist Xiaogang Ye nahm nun hundert Jahre später die alte Poesie, deren Übertragung Mahler in Musik gesetzt hatte, und komponierte aus ihrer Originalgestalt seinerseits eine Liedsymphonie für ein Orchester von Mahlerscher Größe und ebenfalls für zwei Singstimmen, allerdings für eine hohe Frauen- und eine tiefe Männerstimme, Mahler hatte umgekehrt mit einer hohen Männer- und einer tiefen Frauenstimme besetzt. Yes hochexpressive Musik weiß von Mahlers orchestralem Raffinement, von Klanggewalt und filigranem Feinsinn, auch von der Klangfarbenkultur und der Naturstilisierung eines Olivier Messiaen. Er hat sich die europäische (Vor-)  Moderne zu Eigen gemacht und umgeformt wie Mahler vor hundert Jahren die chinesische Poesie. An der Art, wie Zeit komponiert ist, an der konkreten Farbgebung und Konturierung der musikalischen Ereignisse verschaffen sich chinesische Traditionen über die Worte und ihre gesangliche Darstellung hinaus Geltung. In der chinesischen Komponistengeneration um fünfzig überschreitet der Personalstil den Horizont eines Nationalstils. Die musikalische Welt ist für sie größer als die Grenzen selbst eines Riesenreiches wie China. 

Die Münchner Philharmoniker stellen dem Werk, das sich nach seiner Uraufführung im Januar 2005 in Peking rasch internationale Geltung verschaffen konnte, zwei Kompositionen von Zeitgenossen Xiaogang Yes gegenüber. Xiayong Chen stammt aus einer Künstlerfamilie, die während der Kulturrevolution harten Verfolgungen ausgesetzt war. Dennoch gelang es den Eltern, ihm schon in jungen Jahren einen Eindruck auch von der europäischen Musik zu vermitteln. Sie wurde für ihn zum »fernen Klang«, den er genauer kennenlernen wollte. Dem Violin- und Kompositionsstudium am Zentralkonservatorium in Peking ließ er 1985 bis 1989 ein Aufbaustudium bei György Ligeti folgen. Danach behielt er seinen Wohnsitz in Hamburg. Seit 1997 teilt er seine Lehrtätigkeit zwischen der Freien und Hansestadt, wo er inzwischen eine Professur für Komposition und chinesische Musikkultur innehat, und Gastprofessuren in China. 

Komponieren bedeutet für Chen eine »Kommunikation mit dem Klang, ein Aufspüren seiner Möglichkeiten«. Für ihn entscheiden weder Materialfülle noch Ereignisdichte über den Sinn eines musikalischen Kunstwerks, sondern die sensible Entfaltung eines Tons, eines Klangs, die sukzessive Entdeckung dessen, was er in sich bindet. Deshalb spielten kleinste Veränderungen, Modulationen des Zeiterlebens und eine differenzierte, fein abgestufte Dynamik in seinem Komponieren eine zentrale Rolle. Das Erlebnis erfüllter Zeit soll die Musik ihren Hörern ermöglichen, nicht vorgeben. 

Jia Guoping ist acht Jahre jünger als Ye und Chen. Auch bei ihm schlossen sich an die Ausbildung am Pekinger Zentralkonservatorium Studien in Deutschland, in seinem Fall an der Stuttgarter Musikhochschule an. Auch er führt in seinem Schaffen die produktive Auseinandersetzung zwischen chinesischen Traditionen und den Erfahrungen der westlichen Moderne. Der Titel seines Orchesterwerks für die Münchener Biennale nimmt auf buddhistische Überlieferungen Bezug. Kalaviuka heißt dort ein himmlisches Fabelwesen mit einem Kopf wie ein Mensch und einem Körper wie ein Vogel. Sein Gesang ist schön, lieblich, er kennt keine Zeitgrenzen. Dieses mythische Wesen wählte Jia als Anregung und Thema für seine Komposition . Im Programm der Münchner Philharmoniker geht dem Lied von der Erde der himmlische Gesang voraus. 

Komponisten

Xiaoyong Chen, Jia Guoping

Bild des Komponisten: Xiaoyong Chen

Xiaoyong Chen

(*1955) studierte zunächst Violine, von 1980 bis 1985 Komposition am Zentralkonservatorium Peking. Im Anschluss daran absolvierte er bis 1989 ein Aufbaustudium bei György Ligeti an der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg. Seit 1987 ist er als Lehrbeauftragter am Asien-Afrika-Institut der Universität Hamburg tätig und seit 2006 ist er zudem Professor für Komposition am Shanghaier Konservatorium für Musik. Im Oktober 2010 wurde Chen zum Gastprofessor für Neue Musik, Komposition und Chinesische Musikkultur an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg berufen. Gastprofessuren führten ihn seit 1997 ständig nach Taiwan, Hong Kong und China. Xiaoyong Chen erhielt 1993 den Christoph und Stephan Kaske-Preis in München und 1995 das Bach-Preis-Stipendium der Hansestadt Hamburg.

Bild des Komponisten: Jia Guoping

Jia Guoping

(*1963) studierte 1987 bis 1991 am Zentralen Konservatorium in Beijing, wo er anschließend als Dozent lehrte. 1994 nahm er mit einem DAAD-Stipendium ein Meisterstudium bei Helmut Lachenmann an der Stuttgarter Musikhochschule auf. Nach der Abschlussprüfung kehrte er 1998 nach China zurück und übernahm am Pekinger Zentralkonservatorium eine Professur für Komposition. Er ist stellvertretender Dekan der Fakultät für Komposition. 2007 war er an der Gründung des Kompositionswettbewerbs Con Tempo – Junge Kammermusik in China beteiligt, der von der Ernst von Siemens Musikstiftung und dem Goethe Institut getragen wird und in diesem Jahr zum fünften Mal stattfindet, Kooperationspartner ist das Schleswig-Holstein Musikfestival. 

Informationen

Besetzung & Credits

Besetzung


Dirigent: Long Yu
Solisten:
Michaela Kaune, Sopran
Thomas E. Bauer, Bariton

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